Die moderne Mathematik der Migration


Brutto und Netto zu unterscheiden, gehört zu den elementaren Grundlagen statistischen Denkens. Gerade deshalb sollte diese Unterscheidung auch die Migrationsdebatte prägen.

Netto ist nicht Brutto

In der aktuellen Debatte über die sogenannte «10-Millionen-Schweiz» hat sich das Wording spürbar verändert. In Talkshows, Interviews und Zeitungsartikeln ist zunehmend von einem «starren Bevölkerungsdeckel» die Rede. Oft wird dabei der Eindruck vermittelt, die Schweiz dürfte nach Annahme der Initiative nur noch rund 40’000 Menschen pro Jahr aufnehmen.

Diese Darstellung greift jedoch zu kurz, weil sie Brutto- und Nettozuwanderung vermischt.

Tatsächlich wandern heute jedes Jahr sehr viele Menschen in die Schweiz ein, gleichzeitig verlassen aber auch sehr viele Menschen das Land wieder. Die entscheidende Grösse für das Bevölkerungswachstum ist deshalb nicht die gesamte Einwanderung, sondern der sogenannte Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Ein- und Auswanderung.

Die Zahlen zeigen dies deutlich:

2024 wanderten rund 212’000 Personen in die Schweiz ein. Gleichzeitig wanderten fast 130’000 Personen wieder aus. Der Nettozuwachs lag damit bei rund 83’000 Personen.

Auch in anderen Jahren lag die Auswanderung regelmässig zwischen rund 110’000 und 130’000 Personen pro Jahr.

Wenn also beispielsweise 160’000 Menschen einwandern und 160’000 Menschen wieder auswandern, entsteht trotz hoher Mobilität kein zusätzliches Bevölkerungswachstum. Netto bedeutet nicht Abschottung, sondern beschreibt lediglich die Differenz zwischen Zu- und Wegzügen.

Die Behauptung, es dürften künftig «nur noch 40’000 Menschen einwandern», ist deshalb irreführend. Auch bei einer deutlich tieferen Nettozuwanderung könnten weiterhin viele Menschen in die Schweiz kommen. Die Schweiz hätte weiterhin Spielraum, gezielt jene Fachkräfte und Arbeitskräfte aufzunehmen, die tatsächlich benötigt werden.

Fazit

Migration lässt sich nur dann sinnvoll beurteilen, wenn Brutto- und Nettozahlen sauber voneinander getrennt werden. Denn je nachdem, welche Grösse betrachtet wird, entsteht ein völlig anderes Bild der Realität. Gerade deshalb braucht die öffentliche Debatte mehr statistische Präzision und weniger verkürzte Narrative.


Ein- und Auswanderung Schweiz

2014 bis 2025 · Einwanderer, Auswanderer und Wanderungssaldo

EinwandererAuswandererWanderungssaldo
250 000200 000150 000100 00050 000201420152016201720182019202020212022202320242025
Quelle: Ein- und Auswanderung Schweiz 2014 bis 2025 · Darstellung ecologie suisse.

Die Grafik zeigt Einwanderung und Auswanderung als Balken. Der Wanderungssaldo wird als orange Linie dargestellt. Dadurch bleibt der Vergleich sachlich und nahe an der ursprünglichen Darstellung.

Das Jahr 2023 wurde zusätzlich durch Schutzsuchende im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg beeinflusst.

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