Leben auf Kredit: Was uns der Overshoot Day wirklich sagt


Die Schweiz achtet streng darauf, finanziell nicht dauerhaft über ihre Verhältnisse zu leben. Bei ihren natürlichen Lebensgrundlagen lässt sie hingegen Defizite zu, die sich Jahr für Jahr summieren. Der Overshoot Day macht diesen Widerspruch sichtbar.

In meiner Arbeit für karitative Organisationen begegne ich fast täglich Menschen, die in eine Schuldenfalle geraten sind. Die Ursachen sind verschieden: Krankheit, Arbeitslosigkeit, eine Trennung, ein gescheitertes Geschäft oder schlicht eine längere Phase, in der die Ausgaben höher waren als die Einnahmen.

Fast immer beginnt die Verschuldung unspektakulär. Eine Rechnung wird aufgeschoben, die nächste mit einem Kredit bezahlt. Aus einem Engpass wird eine Gewohnheit, bis nicht mehr vom laufenden Einkommen gelebt wird, sondern von geliehenem Geld und der Hoffnung, die Zukunft werde das Problem lösen.

Wer sich aus einer solchen Lage befreien will, muss sich irgendwann einer unangenehmen Wahrheit stellen: Schulden verschwinden nicht, wenn man sie verdrängt. Am Anfang jeder Entschuldung steht deshalb die Bestandesaufnahme. Man muss wissen, was hereinkommt, was hinausgeht und wo bereits von der Substanz gelebt wird.

Der Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie C. G. Jung gab jenem Teil unseres Wesens, dem wir uns nur ungern stellen, einen Namen: den «Schatten». Was wir nicht sehen wollen, ist deshalb nicht weniger wirklich.

Auch Gesellschaften entwickeln ein Bild von sich selbst. Die Schweiz versteht sich mit guten Gründen als ein Land, das haushälterisch denkt, seine Institutionen pflegt und kommenden Generationen keinen überschuldeten Staat hinterlassen will. Die Schuldenbremse ist Ausdruck dieses Selbstverständnisses.

Doch bei unseren natürlichen Lebensgrundlagen handeln wir nicht mit derselben Konsequenz. Wir beanspruchen Böden, Wälder, Gewässer und andere natürliche Ressourcen über ihre Regenerationsfähigkeit hinaus und verlagern einen erheblichen Teil der damit verbundenen Belastungen ins Ausland oder in die Zukunft.

Vielleicht beginnt der gesellschaftliche Schatten genau dort: nicht bei dem, was wir nicht wissen, sondern bei dem, was wir wissen und dennoch nur ungern unserem eigenen Selbstverständnis zurechnen.

Genau diese nüchterne Betrachtung brauchen wir auch im Umgang mit der Natur.

Das ökologische Jahreseinkommen ist im Juli aufgebraucht

Die Erde verfügt über eine Art jährliches ökologisches Einkommen: Wälder wachsen nach, Böden bringen Ernten hervor, Gewässer erneuern sich, natürliche Systeme binden einen Teil des von uns verursachten Kohlendioxids. Diese Leistungen sind gewaltig, aber begrenzt.

Der globale Earth Overshoot Day fällt 2026 auf den 30. Juli. Nach den aktuellen Berechnungen des Global Footprint Network nutzt die Menschheit die regenerative Leistungsfähigkeit der Erde derzeit 73 Prozent schneller, als sich die Ökosysteme erneuern können. Das entspricht rechnerisch 1,73 Erden. Wir besitzen aber nur eine.

Dass wir heute überhaupt in einer solchen globalen Bilanz denken können, ist wesentlich mit dem Schweizer Mathis Wackernagel verbunden. Gemeinsam mit William Rees entwickelte er in den 1990er-Jahren das Konzept des ökologischen Fussabdrucks. Wackernagel gründete später das Global Footprint Network und trug entscheidend dazu bei, mit dem Earth Overshoot Day eine abstrakte ökologische Bilanz für Millionen Menschen verständlich zu machen.

Das ist die intellektuelle Stärke des Modells: Man kann über seine Annahmen streiten und dennoch anerkennen, was es sichtbar macht. Wackernagel hat eine schwer fassbare Frage in eine einfache Bilanz übersetzt: Leben wir von dem, was die Natur jährlich erneuert, oder greifen wir auf ihre Substanz zurück?

Die Schweiz erreicht ihren Overshoot Day am 11. Mai

Für die Schweiz fällt der nationale Overshoot Day 2026 auf den 11. Mai. Würde die gesamte Weltbevölkerung Ressourcen im gleichen Umfang beanspruchen wie die Bevölkerung der Schweiz, wären rechnerisch 2,8 Erden erforderlich.

Das Datum bedeutet nicht, dass am 11. Mai die letzte Schweizer Ressource verbraucht wäre. Es beantwortet eine andere Frage: Wie lange würde die weltweit verfügbare Biokapazität pro Person reichen, wenn alle Menschen unseren Lebensstil hätten? Die Antwort lautet: etwas mehr als vier Monate.

Die Berechnung für 2026 beruht auf der jüngsten Ausgabe der National Footprint and Biocapacity Accounts und bildet für die Schweiz die Situation des Jahres 2024 ab. Das ist wichtig, weil der Overshoot Day keine Echtzeitmessung ist, sondern auf international verfügbaren Daten und Modellrechnungen beruht.

Dass wir diese Übernutzung im Alltag kaum wahrnehmen, hat auch mit der räumlichen Trennung von Konsum und Produktion zu tun. Mehr als drei Viertel der durch die Schweizer Endnachfrage verursachten Umweltbelastung entstehen im Ausland. Die Belastung verschwindet dadurch nicht, sie wird für uns lediglich weniger sichtbar.

Bei einer finanziellen Bilanz würden wir uns von einer solchen Verschiebung kaum täuschen lassen: Ein Unternehmen wird seine Schulden nicht los, indem es sie in eine ausländische Tochtergesellschaft verschiebt. Ebenso wenig verbessert sich die ökologische Bilanz unseres Konsums allein dadurch, dass belastende Produktionsschritte ausserhalb der Landesgrenzen stattfinden.

Hier berührt die ökologische Frage einen weiteren Gedanken C. G. Jungs. In «The Undiscovered Self» beschäftigte er sich mit der Neigung des modernen Menschen, persönliche Verantwortung an politische oder gesellschaftliche Instanzen abzugeben. Sinngemäss beschreibt Jung, wie der «Ausgleich der Bilanz» einer höheren Instanz überlassen wird und damit die Selbstverantwortung des Einzelnen schwinden kann.

Überträgt man diesen Gedanken mit der gebotenen Vorsicht auf unseren Umgang mit natürlichen Ressourcen, zeigt sich eine bemerkenswerte Parallele: Verantwortung lässt sich verlagern, die Folgen nicht.

Wenn Einkommen und Vermögen verwechselt werden

Technischer Fortschritt, Innovation und höhere Effizienz können den Ressourcenverbrauch erheblich senken. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob eine Entlastung möglich ist, sondern ob sie schnell und umfassend genug gelingt. Und vor allem: ob wir wirtschaftlichen Erfolg so messen, dass diese Entlastung sichtbar wird.

Genau hier liegt ein grundlegendes Problem. Wirtschaftliche Leistung und der Erhalt natürlicher Substanz sind nicht dasselbe. Das Bruttoinlandprodukt misst die wirtschaftliche Wertschöpfung innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Ob dabei natürliche Vermögenswerte erhalten, geschädigt oder unwiederbringlich verbraucht werden, bildet es nur unvollständig ab.

Dies ist kein Fehler des BIP, sondern eine Grenze dessen, was diese Kennzahl messen soll. Problematisch wird es erst, wenn wir aus wachsender wirtschaftlicher Leistung auf wachsenden Wohlstand schliessen, ohne die Veränderung unserer natürlichen Vermögensbasis mitzuberücksichtigen.

Auch die Beseitigung von Schäden erzeugt Wertschöpfung: die Sanierung verseuchter Böden ebenso wie die Reparatur zerstörter Infrastruktur. Das BIP unterscheidet dabei nicht danach, ob wirtschaftliche Aktivität zusätzlichen Wohlstand schafft oder lediglich einen zuvor entstandenen Schaden behebt.

Ein Wald kann wirtschaftlichen Ertrag liefern, wenn sein Holz genutzt wird. Seine Leistungen als Wasserspeicher, Lebensraum, Schutz vor Naturgefahren und Teil eines funktionierenden Ökosystems erscheinen dagegen nur teilweise in der volkswirtschaftlichen Rechnung.

In der Sprache einer Bilanz gesprochen: Die Erfolgsrechnung kann gut aussehen, während auf der Vermögensseite Substanz verloren geht.

Wirtschaftliche Leistung und gesunde Finanzen sind der Sauerstoff einer Gesellschaft. Aber niemand lebt von Sauerstoff allein.

Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob eine Wirtschaft wächst, sondern was mit ihr wächst: unser Wohlstand oder die Rechnung, die wir der Zukunft hinterlassen.

Wohlfahrt ist die umfassendere Bilanz

Die Bundesverfassung gibt darauf in Art. 2 Abs. 2 und 4 eine bemerkenswert klare Antwort. Sie nennt nicht die Steigerung des Bruttoinlandprodukts als Zweck der Eidgenossenschaft, sondern die Förderung der gemeinsamen Wohlfahrt und der nachhaltigen Entwicklung sowie die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Darin liegt eine wichtige Unterscheidung: Wirtschaftliche Leistung ist eine Grundlage unseres Wohlstands, aber nicht mit ihm gleichzusetzen. Das BIP misst, was eine Volkswirtschaft an Wertschöpfung hervorbringt. Es misst nicht, was sie dabei bewahrt, verliert oder kommenden Generationen hinterlässt.

Ein Staat, dessen Finanzvermögen wächst, während sein Naturvermögen verfällt und sein gesellschaftlicher Zusammenhalt schwindet, wird nicht im umfassenden Sinn reicher. Wohlstand entsteht erst im Zusammenspiel wirtschaftlicher Stärke, gesellschaftlicher Stabilität und intakter natürlicher Lebensgrundlagen.

Die Schweiz hat ein wichtiges Messinstrument aufgegeben

Seit 2014 führte das Bundesamt für Statistik ein System zur Messung der Wohlfahrt in der Schweiz. Mehr als 40 Indikatoren erfassten nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch gesellschaftliche und ökologische Faktoren. 2025 wurde das Indikatorensystem zur Wohlfahrtsmessung aus Kostengründen eingestellt.

Das ist bemerkenswert: Wir messen weiterhin sehr genau, wie stark unsere Wirtschaft wächst. Gleichzeitig haben wir ausgerechnet jenes Instrument stillgelegt, das sichtbar machen sollte, wie sich die «gemeinsame Wohlfahrt» entwickelt, deren Förderung die Bundesverfassung dem Bund ausdrücklich aufträgt.

Was wir nicht messen, verschwindet nicht. Doch was in unseren zentralen Kennzahlen unsichtbar bleibt, gerät leicht aus dem politischen Blick.

Eine Bilanz, die noch fehlt

Eine neue Wohlfahrtsmessung sollte nicht möglichst viele Daten in eine einzige Zahl pressen. Wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftliche Stabilität und intakte Lebensgrundlagen lassen sich nicht beliebig miteinander verrechnen. Mehr Einkommen macht den Verlust fruchtbarer Böden nicht rückgängig, ebenso wenig wie eine bessere Umweltbilanz soziale Verwerfungen aufhebt.

Die Schweiz muss dabei nicht bei null beginnen. Mit dem Indikatorensystem Wohlfahrtsmessung des Bundesamts für Statistik gab es bereits den Versuch, Wohlstand umfassender abzubilden als mit dem BIP allein.

Es ist an der Zeit, diesen Ansatz neu aufzulegen, methodisch weiterzuentwickeln und an die Herausforderungen unserer Zeit anzupassen. Nicht als Konkurrenz zum BIP, sondern als notwendige Ergänzung.

Was die Schweiz braucht, ist kein zweites BIP, das Wohlstand in eine einzige Zahl presst, sondern eine ehrliche Gesamtbilanz: eine, die sichtbar macht, wo Wohlstand entsteht, wo wir von bestehender Substanz zehren und wo wir Fortschritt mit Rückschritt an anderer Stelle erkaufen. Zielkonflikte gehören nicht weggerechnet. Sie gehören sichtbar gemacht.

Was wäre eine ökologische Schuldenbremse?

Hier schliesst sich der Kreis zur Schweizer Finanzpolitik. Die Schweiz hat aus den Defiziten der 1990er-Jahre eine klare Konsequenz gezogen. Seit 2003 begrenzt die Schuldenbremse die Ausgaben des Bundes. Ihr Grundgedanke ist einfach: Langfristig müssen Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewicht bleiben. Konjunkturelle Schwankungen sind möglich, strukturelle Dauerdefizite nicht.

Warum sollte dieser Grundsatz nur für Geld gelten?

Eine ökologische Schuldenbremse müsste weder jede Landschaft in Franken bewerten noch den Bürgern einen bestimmten Lebensstil vorschreiben. Sie sollte zunächst Transparenz schaffen: Welche natürlichen Ressourcen beanspruchen wir, wo entstehen die Belastungen und in welchen Bereichen greifen wir dauerhaft auf die Substanz zurück?

Für zentrale natürliche Systeme könnten wissenschaftlich begründete Belastungsgrenzen definiert und regelmässig ausgewiesen werden. Wo diese längerfristig überschritten werden, müsste die Politik darlegen, mit welchen Massnahmen und in welchem Zeitraum sie wieder eingehalten werden sollen.

Eine solche Schuldenbremse wäre kein ökologischer Kassensturz, bei dem jede Abweichung sofort ein Verbot auslöst. Auch die finanzielle Schuldenbremse kennt Spielraum. Entscheidend wäre der Grundsatz:

Auf Dauer darf eine Gesellschaft die regenerative Leistungsfähigkeit der Natur nicht überschreiten.

Eine ökologische Schuldenbremse darf dabei nicht zum Vorwand werden, immer mehr Verantwortung von Menschen und Unternehmen an den Staat zu übertragen. Der Staat kann Transparenz schaffen und dort Grenzen setzen, wo individuelle Entscheidungen gemeinsame Lebensgrundlagen beeinträchtigen. Verantwortliches Handeln kann er dem Einzelnen nicht abnehmen.

Freiheit und ökologische Verantwortung sind keine Gegensätze. Freiheit verliert vielmehr an Substanz, wenn ihre Kosten dauerhaft anderen aufgebürdet werden.

Auch der Overshoot Day hat Grenzen

Gerade weil der Overshoot Day eine starke Botschaft besitzt, sollte man seine Grenzen nicht verschweigen. Er ist keine exakte Stoppuhr der Natur. Er beruht auf internationalen Statistiken, Schätzungen und methodischen Annahmen. Datenrevisionen können das Datum verschieben, ohne dass sich das reale Verhalten der Menschheit im gleichen Umfang verändert hätte.

Beim globalen Overshoot Day 2026 ist genau dies relevant: Das gegenüber dem Vorjahr spätere Datum beruht überwiegend auf revidierten Daten, insbesondere einer höheren Schätzung der CO₂-Aufnahme der Ozeane, und nicht auf einer entsprechenden realen Verbesserung. Auch lassen sich nicht alle ökologischen Belastungen gleich gut in diesem Modell abbilden.

Der Overshoot Day ist kein Naturgesetz. Er ist ein Modell.

Ein Modell muss nicht alles erklären, um etwas Entscheidendes sichtbar zu machen. Auch eine Unternehmensbilanz bildet nicht die gesamte Wirklichkeit eines Unternehmens ab. Trotzdem würde niemand daraus schliessen, Einnahmen, Ausgaben, Vermögen und Schulden seien bedeutungslos.

Kritiker weisen zudem zu Recht darauf hin, dass technischer Fortschritt Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppeln kann. In der Schweiz ist die konsumbedingte Umweltbelastung pro Person seit der Jahrtausendwende deutlich gesunken. Wegen des Bevölkerungswachstums fiel der Rückgang in absoluten Zahlen jedoch wesentlich geringer aus.

Technischer Fortschritt ist deshalb kein Gegner ökologischer Verantwortung, sondern ein wesentlicher Teil ihrer Lösung.

Der eigentliche Wert des Overshoot Day liegt ohnehin weniger im einzelnen Datum als in der Frage, die Mathis Wackernagel und seine Mitstreiter damit in die Öffentlichkeit gebracht haben: Leben wir von der Regeneration der Natur oder von ihrer Substanz?

Der erste Schritt ist Ehrlichkeit

Damit führt die ökologische Bilanz zurück zum Anfang. Jede erfolgreiche Entschuldung beginnt mit einer vollständigen Bestandesaufnahme. Nicht mit Schuldzuweisungen, sondern mit Zahlen. Nicht mit Verdrängung, sondern mit der Bereitschaft, die eigene Lage anzuschauen.

Erst was sichtbar ist, lässt sich verändern.

Die Schweiz muss ihre Erfolge nicht kleinreden, um ihre Defizite anzuerkennen. Im Gegenteil: Ein wohlhabendes, innovatives und institutionell stabiles Land besitzt ausgezeichnete Voraussetzungen, wirtschaftliche Stärke und ökologische Tragfähigkeit miteinander zu verbinden.

Die grössten Hebel liegen bei Ernährung, Wohnen und Mobilität. Zusammen stehen diese Bereiche für einen grossen Teil der konsumbedingten Umweltbelastung. Langlebige Produkte, reparierbare Geräte, kreislauffähige Baustoffe, erneuerbare Energie und ressourcenschonende Verkehrssysteme sind deshalb keine Nebensächlichkeiten, sondern Teile eines ökologischen Entschuldungsplans.

Es geht nicht um spektakulären Verzicht. Es geht darum, dass technischer Fortschritt tatsächlich zu geringerem Ressourcenverbrauch führt und Effizienzgewinne nicht durch zusätzlichen Verbrauch wieder aufgezehrt werden.

Was wir hinterlassen

Schulden sind zunächst nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist, ob und von wem sie beglichen werden. Problematisch werden sie dort, wo wir heute Leistungen in Anspruch nehmen und die Rechnung dafür in die Zukunft verschieben. Bei ökologischen Schulden geschieht etwas Ähnliches: Wir nutzen heute Leistungen und Ressourcen der Natur, deren Erneuerung Zeit braucht oder deren Verlust sich nicht rückgängig machen lässt. Generationengerechtigkeit bedeutet deshalb auch, die eigenen Schulden möglichst selbst zu begleichen, statt die Rechnung jenen zu hinterlassen, die an unseren heutigen Entscheidungen nicht beteiligt waren.

Die Schweiz darf ihnen weder einen zahlungsunfähigen Staat noch eine ausgezehrte Natur hinterlassen. Beides beschränkt ihren Handlungsspielraum. Ein ausgeglichener Staatshaushalt ist deshalb ein wertvolles Erbe. Aber eine Generation hinterlässt mehr als Kontostände, Staatsanleihen und Infrastruktur.

Sie hinterlässt ertragsreiche Böden, gesunde Wälder und saubere Gewässer. Sie hinterlässt eine Landschaft, eine Wirtschaft und die natürlichen Voraussetzungen, auf denen künftiger Wohlstand entstehen kann.

Wer seine Schulden ehrlich bilanziert, muss sie nicht als unbezahlte Rechnung der nächsten Generation hinterlassen. Eine ehrliche Bilanz macht aus einem Minus noch kein Plus. Aber sie schafft die Voraussetzung dafür, dass aus Schulden Verantwortung wird – und aus Verantwortung Zukunft. Zwischen Absicht und Wirklichkeit liegt der Schatten. Nur eine ehrliche Bilanz bringt ihn ans Licht.


Ökologische Jahresbilanz 2026

Wann ist das Jahreseinkommen der Natur aufgebraucht?

Der Overshoot Day übersetzt eine abstrakte Ressourcenbilanz in Zeit: Bis zu diesem Tag reicht rechnerisch die regenerative Leistung eines Jahres. Danach leben wir von ökologischer Substanz.

2,8 Erden wären nötig, wenn alle Menschen lebten wie die Schweiz.
1,73 Erden beansprucht die Menschheit 2026 rechnerisch.
1 Erde steht tatsächlich zur Verfügung.
Die entscheidende Frage ist nicht nur, wann das Budget endet. Entscheidend ist, wie lange wir danach von der Substanz leben.
Quelle: Global Footprint Network · Earth Overshoot Day 2026 · Country Overshoot Days 2026 · National Footprint and Biocapacity Accounts

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